Dr. Matthias Ott (SapientNitro) über WCM und Multi-Channel 2.0

Beim diesjährigen ECM SUMMIT wird die Einführungs-Keynote von Dr. Matthias Ott, Director Technolgy bei SapientNitro, gehalten. Er spricht über “Web Content Management und Multi-Channel 2.0″. Wir haben ihm vorab einige Fragen zu seinem Vortrag und den aktuellen Trends auf diesem Gebiet gestellt.

1.) Mit welchen drei Schlagworten können Sie Ihren Vortrag auszeichnen?

Die wichtigsten beiden Schlagwörter sind natürlich bereits im Titel enthalten: Web Content Management und Multi-Channel Management. Darüberhinaus spielen die drei Schlagworte Marke, soziale Medien und Customer Experience eine wesentliche Rolle.

2.) Was verstehen Sie unter “Multi-Channel-Management”?

Multi-Channel Management umfasst alle Maßnahmen eines Unternehmens, um die Interaktion von Kunden mit der Marke über digitale und klassische Kanäle hinweg zu gestalten. Jede dieser Interaktionen beeinflusst die Wahrnehmung, die der Kunde von der Marke hat. Passen die Erfahrungen über die verschiedenen Kanäle hinweg nicht zusammen, schadet dies der Marke und damit dem Geschäftserfolg des Unternehmens. Auf der anderen Seite können Unternehmen mit der Gestaltung von positiven „Cross-Channel“ Erlebnissen ihren Markenwert und Geschäftserfolg steigern.

3.) Die Unterstützung der Publikation von Inhalten in sozialen Medien ist ja auch Teil des Multi-Channel-Ansatzes. Welche Konzepte sehen sie hierzu?

Viele Firmen haben bereits eigene Blogs, Unternehmensseiten auf Facebook oder LinkedIn, Kanäle auf Youtube und kommunizieren über Twitter mit Ihren Kunden. Hiermit wird das Potential der sozialen Medien aber noch lange nicht ausgeschöpft.
Soziale Medien bedeuten für Unternehmen einen erheblichen Kontrollverlust über die Kommunikation zwischen der Marke und den Kunden und zwar unabhängig davon, ob sie sich aktiv daran beteiligen. Anstatt zu versuchen, die Kommunikation weiterhin zu kontrollieren, sollten sie sich deshalb den Regeln der sozialen Medien öffnen und diese für Ihre Zwecke nutzen.
Ein erster Schritt sollte sein, die Kommunikations-Richtlinien zu lockern und Mitarbeitern zu erlauben, in sozialen Medien zu schreiben. Ein weiteres neues Publikationskonzept basiert auf der Zusammenarbeit von Unternehmen und Benutzern. Das Unternehmen kann den Nutzern über offene Schnittstelle Zugriff auf kleinteilige Inhalte gewähren und den Nutzern damit ermöglichen, eigene Publikationen wie z.B. Fanseiten zu erstellen.
Schließlich ist zu beachten, dass die Kommunikation zwischen Unternehmen und Kunden in den sozialen Medien keine Einbahnstraße mehr ist. Kunden und Internetnutzer werden Inhalte kommentieren, beantworten, weiterleiten oder von sich aus Diskussionen starten. Nachrichten können sich mit rasanter Geschwindigkeit im Netz verbreiten. In kürzester Zeit können enorme Mengen an direkten Anfragen an das Unternehmen bzw. Aussagen über das Unternehmen im sozialen Netz entstehen.
Für eine effiziente Verwaltung dieser ständig wachsenden Anzahl von Kanälen, Formaten und Interaktionsformen ist eine erhebliche Erweiterung des bestehenden Multi-Channel Content Managements erforderlich. Hierzu gehört die Anbindung zusätzlicher Tools wie z.B. Listening Plattformen, um das Geschehen im sozialen Netz zu verstehen, oder Social CRM Systeme, um die Flut von möglichen Kundendialogen bewältigen zu können.

4.) Wie sehen Sie die Zukunft dieses Themas?

Das Ecosystem der Kanäle wird weiter expandieren und zunehmend digital werden: Mobile Web spielt bereits heute eine tragende Rolle, Fernseher werden zunehmend internetfähig, Magazine werden im iPad gelesen, Schaufenster werden digital und der Verkaufsautomat interaktiv. Die Anzahl der Angebote im Social Web und deren Nutzung wird weiter überproportional steigen und Aspekte wie Personalisierung, Location-Based Services und Virtual Reality werden zur Normalität. Das sind enorme Veränderungen, die große Möglichkeiten bieten und auf die Unternehmen Antworten finden müssen.

5.) Welche Erwartungen haben Sie an den ECM SUMMIT 2010?

Die neue Realität des Multi-Channel 2.0 wirft für das Web Content Management viele Fragen auf. Ich erwarte mir vom ECM SUMMIT 2010 einen engagierten Austausch und Diskussionen, darüber, wie wir diese Herausforderungen am besten lösen. Das heißeste Thema wird aus meiner Sicht die Frage darstellen, ob die Unternehmen bereit sind, Multi-Channel 2.0 durchgängig umzusetzen. Denn hierzu sind grundlegende organisatorische Änderungen in den Unternehmen notwendig.

Vielen Dank für das Interview, wir freuen uns auf einen spannenden ECM SUMMIT!

Tony Hawk und der Beginn des Multi-Channel-Managements bei Lufthansa

Der diesjährige ECM SUMMIT diskutiert schwerpunktmäßig die Herausforderungen des Multi-Channel-Managements. Dieses Thema wurde bereits beim letztjährigen SUMMIT von Dr. Torsten Wingenter von Lufthansa Miles & More in seiner Keynote angesprochen – heute ist es aktueller denn je.

Für die Lufthansa war Social Media anfangs kein „must have“. Als dann jedoch das YouTube Video United Breaks Guitars dem Ruf der amerikanischen United Airlines stark zusetzte, wurde der Flugbranche schnell klar, dass Social Media ein Thema ist, mit dem man sich durchaus beschäftigen sollte. Nichtsdestotrotz musste Lufthansa die neue Macht der Kunden im Internet erst selbst erfahren, bevor sie ihre Kommunikationsstrategie änderten: Nachdem die Airline das Skateboard des Profi-Boarders Tony Hawk verloren hatte – dessen Name und Status der Lufthansa damals noch kein Begriff war – zog sie sich den Zorn der Hawk-Fans im Internet zu. Versuche, Tony Hawk zur Klärung der Angelegenheit über konventionelle Kanäle wie Email oder Telefon zu erreichen, scheiterten und so war klar: Ein Twitterkanal muss endlich her! Dies war der erste Schritt von Lufthansa in die Welt des Social Media.

Denn zu dem Zeitpunkt hat man dort begriffen, dass Social Media kein Trend ist, der bald wieder vergeht, sondern eine neue Kommunikationsstrategie erfordert. Der Kunde ist heute emanzipiert und möchte zunehmend auf Augenhöhe mit Unternehmen diskutieren und interagieren. Und das auf diversen Kanälen, die alle nicht nur gepflegt werden müssen, sondern auch individuell auf die Zielgruppe zugeschnitten und mit Content versorgt werden wollen, im Fall der Lufthansa auch in mehreren Sprachen. So müssen nicht länger nur eigene Seiten wie die Homepage bespielt werden, sondern auch externe Seiten wie Twitter, Facebook, Xing, flickr etc. – willkommen in der Welt des Multi-Channel-Managements!

Dabei stellt sich für Lufthansa das Problem, ob man all diese Kanäle einzeln per Hand pflegt oder Content Prozesse schaffen kann, sodass diese automatisch befüllt werden. Aktuell gibt es dafür bei verteilten Systemen in Social Media weder technogisch noch konzeptionelle Lösungen. So muss die Pflege der Kanäle aktuell durch Manpower gelöst werden, was aber viele Unternehmen gar nicht leisten können. Beginnt man jedoch erst einmal mit den Social Media Aktivitäten, dann werden diese sehr schnell so mannigfaltig und aufwändig, dass man sie streamlinen muss und dann mit Contenttechnologien versucht, sie prozessual zu unterstützen. Man bräuchte dafür intelligente Lösungen, die die internen Systeme mit den externen Welten verbinden, sodass man dabei aus Unternehmenssicht gezielt steuern kann, was man wie wo wann verbreitet. Die Frage ist also: Wie lässt sich Content automatisiert auf diese Dienste verteilen? Und kann man das überhaupt über einen Prozess abbilden? Hat man beispielsweise einen längeren Blogpost, den man als Twitternachricht kompakt transportieren will, kann man davon nicht einfach die ersten 140 Zeichen nehmen und an Twitter füttern. Man hat zwar ein und dieselbe Grundinformation, diese soll dann aber als Pressemitteilung, auf facebook, Twitter etc. kommuniziert werden und muss dafür immer unterschiedlich lang sein und zielgruppenspezifisch aufbereitet werden. Wir müssen aufgrund der vielen dezentralen, verteilten Systeme in Zukunft Content viel modularer betrachten und verwalten. Heute denken wir noch zu seitenorientiert und legen Texte entsprechend an. Äußerst komplexe Anforderungen also…

Soviel zu den veränderten Anforderungen des Web Content Managements 2009. Wir werden beim diesjährigen ECM SUMMIT sehen, wie sich das Thema Multi-Channel-Management mittlerweile weiterentwickelt hat.

Stephan Schillerwein (Infocentric Research) im Interview über das Intranet am Scheideweg

Stephan Schillerwein von Infocentric Research hat den Intranet SUMMIT 2010 maßgeblich mitgestaltet und moderiert. Im Gespräch mit Björn Negelmann hat er ein Resümee zur Veranstaltung gegeben:

Laut Stephan befindet sich das Intranet momentan am Scheideweg:
In vielen Unternehmen wird es bislang hauptsächlich zur Kommunikation und Bereitstellung von Informationen genutzt. Dieser aktuelle Status des Mauerblümchens ist häufig geprägt von wenig Akzeptanz, kaum Relevanz im Unternehmen und geringem Backing durch die Geschäftsführung. Hier ist allmählich ein Wandel zu verzeichnen - hin zu Web 2.0 Elementen, kollaborativen Tools, Prozessunterstützung etc. Das Intranet wird Schritt für Schritt zu dem, was es immer schon sein sollte: ein unerlässliches Arbeitsmittel und geschäftskritisches Instrument.
Das Gute daran: Der (Scheide)Weg hin zu dieser positiven Entwicklung steht dem Unternehmen immer offen. Man kann sich zu jedem Zeitpunkt entscheiden, die Sackgasse zu verlassen und auf die Überholspur zu wechseln, um dann die Potenziale des Intranets Schritt für Schritt zu entfalten.

Interview mit Mathias Zimmermann von btexx über die Zukunft des Intranets

Beim Intranet SUMMIT 2010 hat Björn Negelmann ein Interview mit Mathias Zimmermann, Beratungsleiter beim Veranstaltungssponsor btexx business technologies GmbH, geführt. Im Mittelpunkt stand dabei die Zukunft des Intranets und die Entwicklung der Intranet Konzepte.


Mathias Zimmermann fasste die Herausforderungen für kollaborative Umgebungen dabei in drei Punkten zusammen:

  1. Mitarbeiter: Man muss diese in großer Zahl dazu bewegen, die Tools anzunehmen und zu nutzen. Dafür ist eine einfache Usability à la Facebook entscheidend
  2. Unternehmenskultur: Ihre Bestandteile wie Organisation, Internationalität, Altersstruktur, etc. und deren Einfluss auf die Einführung von kollaborativen Plattformen fürfen nicht außer Acht gelassen werden
  3. Innere Haltung: Wissen gerne zu teilen ist eine Einstellung, die wir erst noch erlernen und verinnerlichen müssen

Folgende Intranettrends für die Zukunft wurden im Gespräch genannt:

  1. Das Intranet als zentraler Wissensarbeitsplatz, der dem Mitarbeitern alle Serivces zur Verfügung stellt, die er für die tägliche Arbeit braucht (z. B. Dokumente, Informationen, Kollaborationstools, etc.)
  2. Zugriff auf Unternehmensdaten über mobile Endgeräte (z. B. um Workflows zu genehmigen)
  3. Nutzung und Integration von externen Services ins Firmenintranet (z. B. Übersetzungstools)
  4. Mehrwert durch das semantische Web, bei dem vorhandene Informationen maschinell neu bewertet und strukturiert werden und so Kontextinformationen schaffen, die vorher nicht erkennbar waren

Rückblick auf den Intranet SUMMIT 2010

Der diesjährige Intranet Summit 2010 fand vor gut 2 Wochen in Frankfurt a.M statt. Dieses Mal standen die Best Practices und Diskussionen unter dem Motto „Vom Informations- zum Kollaborationswerkzeug“. Die Konferenzergebnisse fassten Moderator Björn Negelmann und unser Konferenzpartner Stephan Schillerwein am Ende der Veranstaltung zusammen:

• Die Intranets aller Teilnehmer befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium
• Im Vordergrund steht aktuell bei den Intranets die Funktion der Informationsvermittlung, die bei vielen Teilnehmern bereits weiterentwickelt wurde und Wissensmanagement- und sogar Kollaborationsansätze aufweist. Beliebt sind auch Formularfunktionen, die deutlich schneller implementiert sind als Funktionen, die die Zusammenarbeit fördern sollen
• Als Problem wird erachtet, dass es zwar häufig eine Intranet-Guideline gibt, seltener jedoch eine konkrete Zieldefinition
• Eine typische Haltung, der man oft in der Praxis begegnet ist die bevorzugte Umsetzung von operativen Funktionen anstatt strategischer Entwicklungen. Dem liegt ein einfacher Pragmatismus zu Grunde nach dem Motto “Bevor ich nichts habe, habe ich Tool XY”
• Auffällig ist der Trend weg vom allgemeinen Instrument hin zum personalisierten, unternehmensspezifischen Tool
• Als guter Tipp empfiehlt es sich, Informationsflut zu Beginn zu vermeiden. Es sollte nicht versucht werden, aus dem Nichts ein Mega-Potential aufzubauen, das dann nach wenigen Jahren wieder aufgegeben wird
• Der allgemeine Tenor war, dass im Vordergrund die Zusammenarbeit zwischen der Kommunikationsabteilung, dem Vorstand und den Fachbereichen stehen muss – die gemeinsame Marschrichtung ist grundlegende Basis für die Entwicklung hin zu einem Kollaborationswerkzeug

Stephan Schillerwein zitierte in seiner Keynote zu den 7 Thesen zur Zukunft des Intranets Wernher von Braun: “Fortschritt ist der Weg vom Primitiven über das Komplizierte zum Einfachen.” Die Zukunft sollte so aussehen, dass sich das Intranet unsichtbar in den Arbeitsalltag integriert und für den Mitarbeiter ein selbstverständliches, omnipräsentes Tool wird, das seine tägliche Arbeit erleichtert. Wir sind auf einem spannenden Weg dorthin!

Startschuss zum ECM SUMMIT 2010

Es ist wieder soweit - der Sommer hat noch gar nicht richtig angefangen und wir sind bei Kongress Media schon vollends in den Herbstplanungen. Als ersten großen Event nach der Sommerpause steht dabei der ECM SUMMIT 2010 auf dem Plan. Vom 14. bis zum 16.09. werden wir wieder in Frankfurt die Veränderungen im Bereich des Web Content Management - und (ergänzend für dieses Jahr) auch des Dokumenten-Management diskutieren. Mit zwei parallelen Veranstaltungen zu einem Termin an einem Ort glauben wir nun endlich ein Konzept gefunden zu haben, was zum einen den Veranstaltungstitel gut “ausfüllt” und dennoch ausreichende Möglichkeiten bietet, die unterschiedlichen Themenfelder umfassend zu diskutieren.

Wer unsere Veranstaltungsaktivitäten zum ECM SUMMIT die letzten Jahre verfolgt hat, wird einen fortlaufenden Veränderungsprozess wahrgenommen haben. So haben wir uns in der Ausrichtung zum Thema “Enterprise Content Management” immer wieder schwer getan, das Thema vollends “ganzheitlich” in einer Veranstaltung abzubilden. Zu unterschiedlich waren und sind die Anforderungen und Problemstellungen des internen (auf das Dokumenten-Management ausgerichtete) und externe (auf das Web Publishing ausgerichtete) Enterprise Content Management - wenngleich es vereinende Technologieansätze gibt, die diesen Begriffsansatz immer wieder “verteidigen”. Mit den zwei parallelen Veranstaltungen glauben wir allerdings ein gesundes Maß an Integrativität und ausreichendes Maß an Spezifizität bezüglich der Fragestellungen gefunden zu haben. Beide Veranstaltungen diskutieren aktuelle Herausforderungen und Lösungskonzepte anhand einer Reihe von Best-Practice-Vorträgen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem strategisch-konzeptionelle als auch organisatorische Fragen zu den Projekten.

Auf folgender Seiten finden sich die Themenschwerpunkt für die geplante Veranstaltung:
http://www.ecm-summit.de/hintergrund-konzept.html

Für beide Veranstaltungen haben wir bereits mehrere interessante Fallstudien, die wir an dieser Stelle in den kommenden Wochen vorstellen wollen. Es fehlen allerdings noch einige Fallstudien, die das Programm nach unseren Vorstellungen “rund” machen. Daher möchte ich an dieser Stelle auf den “Call-for-Participation” unter http://www.ecm-summit.de/hintergrund-konzept/call-for-participation.html aufmerksam machen. Gesucht werden vor allem Projekterfahrungsberichte von Projektverantwortlichen! Über Zuschriften und Bewerbungen freuen wir uns sehr.

Interne Kommunikation mit Social Software unterstützen - Interview mit Dirk Röhrborn

Noch ein weiteres Video, welches hier noch auf der Halde lag und auf seine Produktion wartete: Dirk Röhrborn, Geschäftsführer von Communardo Software im Gespräch mit Martin Koser, Community-Manager unserer E2.0 Community und Berater. Im Mittelpunkt dieses Gesprächs stehen abermals Entwicklungen im Bereich Enterprise 2.0. Einen besonderer Fokus wird dabei auf die Aspekt gelegt, wie durch Social Software die interne Kommunikation - sei es auf Projekt- oder Unternehmensebene - unterstützt und gefördert wird. Durch den erhöhten “Fluß” wie auch die Transparenz für alle (weil öffentlich einsehbar) über den “Fluß” an Informationen kommt es zu einem Effekt des “schneller und besser Informiertseins”.


Wertpotenziale aus Enterprise 2.0 herausziehen - Interview mit Dr. Frank Schönefeld

Ich habe heute noch ein richtiges “Goodie” aus unserer “Mediathek” rausgezogen. Bereits im Mai hat Martin Koser, seines Zeichens der Community-Manager unserer E2.0-Aktivitäten und Berater in diesem Themenfeld, ein spannendes Gespräch mit Dr. Frank Schönefeld, Mitglied der Geschäftsleitung bei T-Systems Multimedia Solutions und Beirat unseres Enterprise 2.0 SUMMIT, geführt.  Im Mittelpunkt der Diskussion standen der Status-Quo und die Entwicklungen von Enterprise 2.0.


Folgende Punkte habe ich mir bei dem Interview notiert:

  • Die Potentiale für Enterprise 2.0 sind auf folgenden drei Wert-Dimensionen zu sehen:
    1. Einsparungspotentiziale - durch den Einsatz von Social Software lässt sich das kollektive Wissen transparent machen, womit z.B. bei einer Einführung & Schulung von neuen Mitarbeitern wichtige Kosteneffekte realisiert werden können
    2. Verbesserung der Prozesse - als Erweiterungen zu Geschäftsprozesssystemen bieten die kollaborativen Ansätze der Social Software Potenziale bei der Unterstützung in der Adhoc-Kollaboration.
    3. Transformation - Social Software ermöglicht die Unterstützung von Innovations- und Transformationsprozesse (siehe auch meine Klassifizierung der Use Cases)
  • Die Potentiale von Enterprise 2.0 sind nicht per se gesamtunternehmerisch zu heben - sondern immer nur partiell. Die Summe der partielle Verbesserungen führt dann aber zu einem größeren Ganzen. Wichtig hierbei ist, die Mitarbeiter in diesem Prozess abzuholen und mitzunehmen (Stichwort Coaching/Mentoring).
  • Der Applikationsmarkt beim Thema Enterprise 2.0 ist noch nicht endgültig definiert - es gibt derzeit verschiedene Ansätze aus verschiedenen Ursprüngen, die irgendwan zu einem Markt der Social Business Suites führen.

Insgesamt also ein spannendes Interview mit vielen guten Details, die Dr. Schönefeld gerade auch in einem Buch zusammengefasst hat. (Hier noch ein schriftliches Interview mit ihm dazu!)

Enterprise 2.0 Projekte laufen in Deutschland unter anderem Namen

Im Rahmen meiner Vorbereitungen zum Enterprise 2.0 SUMMIT bin ich immer wieder über die Unterschiede zwischen den nationalen Gepflogenheiten in Europa beim Umgang mit dem Thema “Enterprise 2.0″ gestolpert. So haben wir ja bewusst E2.0 Projekte aus verschiedenen Ländern Europas für das Programm gesucht, da wir die Annahme haben, dass der kulturellen Hintergrund sehr signifikant für die Einführung und den Projektverlauf solcher Projekte ist. Schließlich setzen diese Projekte ein Umdenken in Bezug auf den Austausch und die Bedeutung von Informationen in den Geschäftsprozessen voraus. Denn es geht bei allen diesen Initiativen um die Transparenzmachung von Wissen und Geschäftsabläufen in der Organisation und um die Aufwertung dieser durch das Feedback anderer Personen aus dem Unternehmen (sprich des Kollektivs).

Bei der Recherche zum Fallstudien-Track ist mir immer wieder aufgefallen, wie unterschiedlich auch mit der Begrifflichkeit des “Enterprise 2.0″ umgegangen wird. In Großbritannien und Skandinavien spricht man durchaus vorbehaltlos über E2.0 Initiativen. In Deutschland wie aber auch in Frankreich und Italien spricht man bei den Projekten in der Regel nicht von E2.0-Projekten sondern dem konrekten Anwendungsszenario, welches im Rahmen des Projektes adressiert wird. So z.B. von einem Projekt zur “Flexibilisierung des Informationsflusses” oder einem “Wiki-Projekt zur Verbesserung der Dokumenation im Rahmen des Qualitätsmanagement”. (Siehe hierzu auch meinen Beitrag in unserem Community-Blog “Enterprise2Open” zu der “Classification of Enterprise 2.0 Use Cases“, der ganz gut einen Überblick über die existierenden Anwendungsszenarien bietet!)

Unternehmensweite - sprich Enterprise-orientierte - Ansätze finden sich hier noch recht selten. Ein in die Richtung gehendes Beispiel ist das Enterprise-Wiki-Projekt der Otto-Gruppe, welches von Jan Hendrik Werthmann auf dem E2.0 SUMMIT vorgestellt wird. Letztendlich ist dieses Projekt aber auch nicht als solches entstanden, sondern die “Endstufe” bzw. die Konsequenz des Erfolges vieler kleiner abteilungsorientierten WIki-Projekte. Womit auch gleich eine kritische Erfolgsdimension angesprochen wird, nämlich die der “Einführungsrichtung”: Was ist erfolgreicher - eine zielorientierte Top-Down oder eine Graswurzel-orientierte Buttom-Up-Strategie?

In unserer letzten Tinychat-Session mit Susan Scrupki zu den Erfahrungen der Mitglieder des 2.0 Adoption Council wurde noch einmal deutlich, dass es immer beides sein muss. Sowohl Bottom-Up um überhaupt einmal das entsprechende Engagement einzelner Abteilungen zu erhalten als auch zu einem späteren Zeitpunkt eine geführte Top-Down-Strategie, um die Initiativen unternehmensweit zu verbreiten. Dabei bedarf es auch immer eines “Enterprise 2.0 Catalyst”, der in der Rolle des internen Evangelisten und Vermittlers zwischen den Buttom-Up-Aktivisten und dem Management vermittelt und eine Schrimherrschaft bzw. “Facilitator”-Rolle für die Projekte übernimmt.

Insgesamt ist aber festzustellen, dass man bisher keinen “”Generalstabsplan” für den Erfolg von Enterprise 2.0 Initiativen definieren kann. Der Erfolg steht in Abhängigkeit zur bisherigen “Knowledge Sharing”-Kultur, damit in Bezug auf Mintzberg auch in Abhängigkeit zur Entwicklungsstufe der Organisation und des Organisationsschemas, der Größe und der multinationalen Unterschiede im Unternehmen, dem strategischen Verständnis zum Projekt und damit auch dem definierten “Management” solcher Projekte - denn von alleine entsteht der Erfolg auch bei E2.0-Initiativen auch nicht. (Siehe auch den Artikel zu den strategischen Schlüsselfaktoren für die E2.0 Intitiave in unserem “Enterprise2Open”-Blog)

Es gibt also viel zu tun, daher - packen wir es an! Von unserer Seiten wollen wir die Diskussion zu den Projekten und Strategien mit dem E2.0 SUMMIT ein Stückchen weiterbringen. Insbesondere aus unserem Open-Space mit allen Teilnehmern und Experten zu den Erfolgsfaktoren der Adoption verspreche ich mir da einiges.

Aber wie sehen Sie die Lage bzw. Situation? Ich freue mich auf ein Feedback.

Facebook Fan-Page zum ECM-SUMMIT

Es ist jetzt auch möglich, Fan des ECM SUMMIT auf Facebook zu werden.

Sobald wir 100 Fans haben, können wir eine kurze URL anlegen, wie es für den Enterprise 2.0 SUMMIT bereits der Fall ist.

Auf den Fan-Pages teilen wir interessante Links aus dem ECM Umfeld und weisen auf weitere Aktivitäten wie Video-Chats mit Referenten rund um die Events hin.

Im Bereich Enterprise 2.0 haben wir als neue Veranstaltung die Luncheons aufgenommen, dies Woche am Freitag ist eines der gemeinsamen Mittagessen in Stuttgart angesetzt.
Für Bereich des klassischen ECM lässt sich das Interesse schlecht abschätzen; wir würden uns freuen, wenn jemand Bedarf anmeldet.