Archive for the 'Enterprise 2.0' Category

Interne Kommunikation mit Social Software unterstützen - Interview mit Dirk Röhrborn

Noch ein weiteres Video, welches hier noch auf der Halde lag und auf seine Produktion wartete: Dirk Röhrborn, Geschäftsführer von Communardo Software im Gespräch mit Martin Koser, Community-Manager unserer E2.0 Community und Berater. Im Mittelpunkt dieses Gesprächs stehen abermals Entwicklungen im Bereich Enterprise 2.0. Einen besonderer Fokus wird dabei auf die Aspekt gelegt, wie durch Social Software die interne Kommunikation - sei es auf Projekt- oder Unternehmensebene - unterstützt und gefördert wird. Durch den erhöhten “Fluß” wie auch die Transparenz für alle (weil öffentlich einsehbar) über den “Fluß” an Informationen kommt es zu einem Effekt des “schneller und besser Informiertseins”.


Wertpotenziale aus Enterprise 2.0 herausziehen - Interview mit Dr. Frank Schönefeld

Ich habe heute noch ein richtiges “Goodie” aus unserer “Mediathek” rausgezogen. Bereits im Mai hat Martin Koser, seines Zeichens der Community-Manager unserer E2.0-Aktivitäten und Berater in diesem Themenfeld, ein spannendes Gespräch mit Dr. Frank Schönefeld, Mitglied der Geschäftsleitung bei T-Systems Multimedia Solutions und Beirat unseres Enterprise 2.0 SUMMIT, geführt.  Im Mittelpunkt der Diskussion standen der Status-Quo und die Entwicklungen von Enterprise 2.0.


Folgende Punkte habe ich mir bei dem Interview notiert:

  • Die Potentiale für Enterprise 2.0 sind auf folgenden drei Wert-Dimensionen zu sehen:
    1. Einsparungspotentiziale - durch den Einsatz von Social Software lässt sich das kollektive Wissen transparent machen, womit z.B. bei einer Einführung & Schulung von neuen Mitarbeitern wichtige Kosteneffekte realisiert werden können
    2. Verbesserung der Prozesse - als Erweiterungen zu Geschäftsprozesssystemen bieten die kollaborativen Ansätze der Social Software Potenziale bei der Unterstützung in der Adhoc-Kollaboration.
    3. Transformation - Social Software ermöglicht die Unterstützung von Innovations- und Transformationsprozesse (siehe auch meine Klassifizierung der Use Cases)
  • Die Potentiale von Enterprise 2.0 sind nicht per se gesamtunternehmerisch zu heben - sondern immer nur partiell. Die Summe der partielle Verbesserungen führt dann aber zu einem größeren Ganzen. Wichtig hierbei ist, die Mitarbeiter in diesem Prozess abzuholen und mitzunehmen (Stichwort Coaching/Mentoring).
  • Der Applikationsmarkt beim Thema Enterprise 2.0 ist noch nicht endgültig definiert - es gibt derzeit verschiedene Ansätze aus verschiedenen Ursprüngen, die irgendwan zu einem Markt der Social Business Suites führen.

Insgesamt also ein spannendes Interview mit vielen guten Details, die Dr. Schönefeld gerade auch in einem Buch zusammengefasst hat. (Hier noch ein schriftliches Interview mit ihm dazu!)

Enterprise 2.0 Projekte laufen in Deutschland unter anderem Namen

Im Rahmen meiner Vorbereitungen zum Enterprise 2.0 SUMMIT bin ich immer wieder über die Unterschiede zwischen den nationalen Gepflogenheiten in Europa beim Umgang mit dem Thema “Enterprise 2.0″ gestolpert. So haben wir ja bewusst E2.0 Projekte aus verschiedenen Ländern Europas für das Programm gesucht, da wir die Annahme haben, dass der kulturellen Hintergrund sehr signifikant für die Einführung und den Projektverlauf solcher Projekte ist. Schließlich setzen diese Projekte ein Umdenken in Bezug auf den Austausch und die Bedeutung von Informationen in den Geschäftsprozessen voraus. Denn es geht bei allen diesen Initiativen um die Transparenzmachung von Wissen und Geschäftsabläufen in der Organisation und um die Aufwertung dieser durch das Feedback anderer Personen aus dem Unternehmen (sprich des Kollektivs).

Bei der Recherche zum Fallstudien-Track ist mir immer wieder aufgefallen, wie unterschiedlich auch mit der Begrifflichkeit des “Enterprise 2.0″ umgegangen wird. In Großbritannien und Skandinavien spricht man durchaus vorbehaltlos über E2.0 Initiativen. In Deutschland wie aber auch in Frankreich und Italien spricht man bei den Projekten in der Regel nicht von E2.0-Projekten sondern dem konrekten Anwendungsszenario, welches im Rahmen des Projektes adressiert wird. So z.B. von einem Projekt zur “Flexibilisierung des Informationsflusses” oder einem “Wiki-Projekt zur Verbesserung der Dokumenation im Rahmen des Qualitätsmanagement”. (Siehe hierzu auch meinen Beitrag in unserem Community-Blog “Enterprise2Open” zu der “Classification of Enterprise 2.0 Use Cases“, der ganz gut einen Überblick über die existierenden Anwendungsszenarien bietet!)

Unternehmensweite - sprich Enterprise-orientierte - Ansätze finden sich hier noch recht selten. Ein in die Richtung gehendes Beispiel ist das Enterprise-Wiki-Projekt der Otto-Gruppe, welches von Jan Hendrik Werthmann auf dem E2.0 SUMMIT vorgestellt wird. Letztendlich ist dieses Projekt aber auch nicht als solches entstanden, sondern die “Endstufe” bzw. die Konsequenz des Erfolges vieler kleiner abteilungsorientierten WIki-Projekte. Womit auch gleich eine kritische Erfolgsdimension angesprochen wird, nämlich die der “Einführungsrichtung”: Was ist erfolgreicher - eine zielorientierte Top-Down oder eine Graswurzel-orientierte Buttom-Up-Strategie?

In unserer letzten Tinychat-Session mit Susan Scrupki zu den Erfahrungen der Mitglieder des 2.0 Adoption Council wurde noch einmal deutlich, dass es immer beides sein muss. Sowohl Bottom-Up um überhaupt einmal das entsprechende Engagement einzelner Abteilungen zu erhalten als auch zu einem späteren Zeitpunkt eine geführte Top-Down-Strategie, um die Initiativen unternehmensweit zu verbreiten. Dabei bedarf es auch immer eines “Enterprise 2.0 Catalyst”, der in der Rolle des internen Evangelisten und Vermittlers zwischen den Buttom-Up-Aktivisten und dem Management vermittelt und eine Schrimherrschaft bzw. “Facilitator”-Rolle für die Projekte übernimmt.

Insgesamt ist aber festzustellen, dass man bisher keinen “”Generalstabsplan” für den Erfolg von Enterprise 2.0 Initiativen definieren kann. Der Erfolg steht in Abhängigkeit zur bisherigen “Knowledge Sharing”-Kultur, damit in Bezug auf Mintzberg auch in Abhängigkeit zur Entwicklungsstufe der Organisation und des Organisationsschemas, der Größe und der multinationalen Unterschiede im Unternehmen, dem strategischen Verständnis zum Projekt und damit auch dem definierten “Management” solcher Projekte - denn von alleine entsteht der Erfolg auch bei E2.0-Initiativen auch nicht. (Siehe auch den Artikel zu den strategischen Schlüsselfaktoren für die E2.0 Intitiave in unserem “Enterprise2Open”-Blog)

Es gibt also viel zu tun, daher - packen wir es an! Von unserer Seiten wollen wir die Diskussion zu den Projekten und Strategien mit dem E2.0 SUMMIT ein Stückchen weiterbringen. Insbesondere aus unserem Open-Space mit allen Teilnehmern und Experten zu den Erfolgsfaktoren der Adoption verspreche ich mir da einiges.

Aber wie sehen Sie die Lage bzw. Situation? Ich freue mich auf ein Feedback.

Open Space Workshops

Wie bei vergangenen Veranstaltungen wollen wir auch am kommenden Enterprise 2.0 SUMMIT und ECM SUMMIT einzelne Programmteile in Form von Open Space Workshops halten.
In den Open Space Workshops können aktuell aufkommende Fragen ausführlich diskutiert werden.

Frank Roebers hat in einem Interview mit Andrea Back 2008 ausführlich seine Erfahrungen geschildert.


Teilnehmer, die bisher noch keinen Open Space Workshop erlebt haben, können schon einmal einen kurzen Einblick in die Methode gewinnen.
Im Gegensatz zu den Erfahrungen von Frank Roebers werden an Enterprise 2.0 SUMMIT und ECM SUMMIT nur einzelne Blöcke in dieser Form gestaltet.

Auf flickr finden Sie Impressionen aus den Open Space Blöcken vergangener Veranstaltungen.

Luncheons in Hamburg, Frankfurt und München

Enterprise 2.0 Praktikern wollen wir eine weitere Möglichkeit bieten, sich in ungezwungener Atmosphäre austauschen zu können.

Als Format haben wir das Enterprise 2.0 Community Lucheon, ein gemeinsames Mittagessen gewählt. Die Anmeldung kann jeweils über Xing, Facebook oder twittagessen erfolgen.
Jeder der Teilnehmer zahlt selbst, Kongress Media reserviert den Tisch und zählt die Anmeldungen auf den verschiedenen Kanälen zusammen.

Feste Termine sind Frankfurt am 2.09., Hamburg am 14.09. in Kooperation mit projektwerk und München am 22.09.. Treffen in Stuttgart und Köln sind bereits in Planung.

Wir freuen uns auf interessante Gespräche und gutes Essen.

Intranet Governance soll kein Korsett sein - Interview mit Jürgen Mirbach

Zum Thema Intranet Governance habe ich ein Interview mit Jürgen Mirbach, Partner der auf Intranets und Mitarbeiterportale spezialisierten ICOM GmbH geführt. Jürgen Mirbach hält ein Seminar zum Thema Intranet Management auf dem Intranet SUMMITund ein Seminar zu Intranet Governance und Zielcontrolling auf den Intranet Strategietagen in Zürich.

ECM WORLD: Sie greifen in Ihrem Seminar das Thema Intranet Governance auf. Daher gleich mal die Frage nach dem Kernnutzen: Warum bringen Kontroll- und Steuerungsstrukturen Intranets schneller weiter und führen zu mehr Nutzen für das Unternehmen?

Jürgen Mirbach:
Intranet Governance hilft dem Unternehmen, ein Intranet mit qualitativ hochwertigen Inhalten und Strukturen zu bekommen und beizubehalten. In dem Seminar sprechen wir über Organisationsstrukturen, Abläufe, Regeln und Qualitätsstandards für Intranets. Das alles wirkt darauf hin, dass die Aktualität, Auffindbarkeit und Nutzbarkeit der Inhalte stimmt. In der Summe geht es also darum, dass die Mitarbeiter im Unternehmen mit dem Intranet ihre Arbeit effizient erledigen können. Den Intranet Managern geben wir im Seminar Wissen, Methoden, Ideen und Vorschläge mit, um dies zu erreichen.

ECM WORLD: Auf welcher Abstraktionsebene sollten idealerweise Governance Regeln festgelegt werden?

Jürgen MIrbach: Im Wort Governance schwingt Government, die Regierung, mit. Bei der Aufstellung von Governance-Regeln für ein Intranet möchte ich jedoch nicht an die Formulierung von Gesetzen denken, die notwendigerweise sehr abstrakt formuliert sind. Regeln bringen nur etwas, wenn sie verstanden und akzeptiert werden. Konzentrieren wir uns also darauf, verständliche Regeln zu formulieren. Regeln, zu denen fast jeder optimalerweise sagen kann „Klar, das müssen wir schon so machen“.

Intranet-Redakteuren können die notwendigen Regeln z.B. schon bei Schulung für das CMS vermittelt werden. Ein zweiter Anknüpfungspunkt ist die Planung oder Besprechung der Intranetseiten zusammen mit dem jeweiligen Redakteur. Wo und in welcher Form Regeln vermittelt werden, hat aus meiner Sicht großen Einfluss auf den Erfolg.

ECM WORLD: Governance ist ja Fluch und Segen zugleich. Einige empfinden es als Korsett, das die Kreativität der Mitarbeiter gängelt. Wie eng sollte man das Korsett ziehen, um dem Organismus noch Luft zum Atmen zu geben?

Jürgen MIrbach: Die Anforderungen an Governance-Konzepte unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen bzw. von Branche zu Branche. Sobald z.B. Intranet-Inhalte belastbar für die Vertretung von Rechtspositionen verwendet werden sollen, wird regelmäßig ein relativ strenger Prozess bis zur Veröffentlichung im Intranet durchlaufen. Intranet-Prozesse sind in diesem Fall regulärer Bestandteil von Geschäftsprozessen des Unternehmens.

Für viele Intranet-Inhalte gelten diese Anforderungen jedoch nicht. Inhalte für das Intranet entstehen oftmals nur, weil es begeisterte Menschen in den Abteilungen des Unternehmens gibt. Hier würde ein Korsett kontraproduktiv wirken. Dort brauchen wir Schnittmuster, die sich für unterschiedliche “Figuren” anpassen lassen. Im Ergebnis haben wir immer ein Hemd oder eine Bluse, möglicherweise miit unterschiedlichen Kragen und Armlängen. Es kommt also darauf an, um welche Inhalte es sich handelt.

ECM WORLD: Governance Regeln festzulegen ist das eine, das andere Sie durchzusetzen und zu betreiben. Welche Instanz(en) empfehlen Sie für die Kontrolle der Einhaltung von Governance?

Jürgen Mirbach: Wenn wir über Governance sprechen, spielen Dialogmöglichkeiten, Anreize und Aktionen zur Qualitätserhaltung auf freiwilliger Basis auch eine große Rolle. Die Regeln beschreiben Zielzustände für das Intranet. Die Ziele wollen wir erreichen, ohne die Regeln “aus dem Schrank zu holen, um mit ihnen zu argumentieren”.

Strukturell gesehen ist der Owner des Intranets verantwortlich, möglicherweise ist dies der CIO im Unternehmen. Der CIO sollte sich berichten lassen, wie der Zustand des Intranets aussieht. Dazu kann man ganz einfache Kennzahlen formulieren. Die Kennzahlen sind dann auch Leitplanken für die Intranet Manager, wenn  es um den Einsatz von Ressourcen geht.

ECM WORLD: Wenn Sie aktuelle Intranets betrachten, die Sie selber aus Ihrer Beratungstätigkeit kennen. Inwieweit sehen Sie dort gute Governance Konzepte implementiert und auch durchgesetzt.

Jürgen Mirbach: Die Durchsetzung der Regeln funktioniert in den allermeisten Fällen im konstruktiven Dialog. Manchmal erlebe ich auch zähe Verhandlungen und Widerstand. Im Endeffekt ist es dann meistens so, dass man sich gegenseitig noch nicht richtig verstanden hatte.

Sie haben für den Intranet-Summit wieder eine Menge Praktiker eingeladen, die an dieser Stelle viel konkreter berichten können und dürfen. Nur so viel: Gut ist, was dem Unternehmen nützt und das Intranet auf hohem qualitativen Niveau hält. Was den zweiten Punkt betrifft, würde ichmir mehr Engagement für gute Texte im Intranet wünschen. Gut heißt hier: lesbar, verständlich  und so verschlagwortet, dass die Intranet-Suchmaschine eine Chance hat gut zu sein und so verortet, dass die Nutzer eine gute Chance haben, die Inhalte zu einfach finden.

ECM WORLD: Es gibt ja die These der Selbstkontrolle vs. festen Regelungen. Inwieweit verändert vor allem der Paradigmenwechsel zum Web 2.0 auch die Governance Konzepte für das Intranet?

Jürgen Mirbach: Im Moment tastet man sich heran. Eine Herangehensweise ist, den User-generated Content - die von Nutzern eingestellten Inhalte - kenntlich zu machen. “Achtung, vor Verwendung selbst noch einmal nachdenken.” heißt die Botschaft.

Als Nutzer eines Intranets habe ich den Anspruch, aktuelle und richtige Inhalte zu finden. Diese Erwartungshaltung kann möglicherweise nicht mehr für alle Inhalte des Intranets erfüllt werden. Mitdenken und Mitarbeiten ist gefragt. Genau das ist dann ein Bestandteil von Selbstkontrolle, die sich im übrigen auch an Regeln - gewünschten Zuständen - orientiert.

Governance kann an dieser Stelle kein statisches Konzept bleiben. Intranet Manager stehen vor der Herausforderung, den Übergang zu moderieren. Die Vorteile von “2.0-Anwendungen” kommen erst dann richtig zum Tragen, wenn möglichst viele Mitarbeiter von Nutzern zu “Mitmachern” werden. “Community Management” ist das Stichwort für Intranet Manager, um das Intranet in diese Richtung zu führen. Die Möglichkeiten, ein Intranet zu führen, besprechen wir daher auch im Seminar.

ECM WORLD: Noch eine letzte Frage für die „Statistik“. Wo ist Governance wichtiger - bei großen, sehr großen oder kleinen Intranets?

Jürgen Mirbach: Governance wird bei großen Intranets eher erforderlich, weil einfach die Anzahl der Menschen größer ist, die sich mit dem Intranet beschäftigt. Bei kleinen Intranets passieren viele Dinge „über den Flur“, was nicht heißt, das es in kleinen Intranets keine Regeln gibt. Die Regeln sind dort in der Teamarbeit gewachsen. Beispiel: Beim Aufbau des Intranets strukturieren die Redakteure die Inhalte. Damit legen sie schon Regeln fest, ohne über Governance zu sprechen.  Je größer das Intranet, desto eher werden Regeln explizit festgelegt. Governance hat viele Schnittmengen mit anderen Disziplinen. Derzeit wird eher in großen Intranets eine eigene Disziplin daraus.

Intranets brauchen den richtigen Farbton - Interview mit Stephan Schillerwein

Es stehen zwei Intranet Veranstaltungen an. Der Intranet SUMMIT in Bad Homburg und die Intranet Strategietage in Zürich. Stephan Schillerwein, Head of Research bei der Infocentric Research AG, ein europaweit angesehener Intranet Experte leitet einige Seminare bei den beiden Veranstaltungen und hat mir einige Fragen zum Thema Intranet Management und Intranet Suche beantwortet.

Da weder Stephan Schillerwein noch ich mich gerne kurzfassen ist ein längeres Interview daraus geworden:

Sehr geehrter Herr Schillerwein,

Sie sprechen in Seminaren häufig von Intranet Strategie und Management. Sind Intranets nicht eher organisch wachsende Gebilde, die dann richtig gut werden, wenn man sie entstehen lässt, Stichwort User Generated Content oder technologisch Wiki. Management und Führung klingen eher zentralistisch. Oder haben die Zeiten sich da schon wieder geändert?

Die meisten Intranets sind tatsächlich zumindest zeitweise organisch gewachsen. Leider sieht die Gleichung aber meist so aus: je länger und umfassender das organische – oder ungesteuerte – Wachstum gedauert hat, desto schlechter ist das jeweilige Intranet. Ein Vergleich von über mehrerer hundert Intranets zeigt, dass Intranets, die eine klare Richtung und Zielsetzung verfolgen besser und erfolgreicher sind. Und dem jeweiligen Unternehmen auch mehr Nutzen stiften. Ein Punkt der gerade in der aktuellen Wirtschaftslage für ein Intranet überlebenswichtig sein kann.

Vor diesen Hintergrund könnte man denken, dass dezentral oder von unten her kommende Initiativen grundsätzlich abzulehnen sind. Das ist natürlich nicht der Fall. Auch hier ist die Welt nicht schwarz-weiss, sondern es kommt darauf an, den richtigen „Farbton“ für das jeweilige Intranet zu finden. Also die richtige Mischung aus „top-down“, „bottom-up“ und auch „in-between“, die dem Unternehmen, seinen Mitarbeitern, der Arbeitskultur etc. entspricht. Und dabei tun sich viele Unternehmen gerade im Hinblick auf Social Media Ansätze sehr schwer.

Inwieweit beobachten Sie einen Wandel der Anforderungen an Intranets einerseits seitens der operativen Mitarbeiter und andererseits von Seiten des Managements der Unternehmen gerade vor dem Hintergrund der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage und den damit verbundenen Herausforderungen an Unternehmen. Gibt es Diskrepanzen zwischen dem was Mitarbeiter fordern und dem was Management fordert? Wie kann ein Intranet Manager damit konkret umgehen?

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten fordern die Mitarbeiter mehr von ihrem Intranet. Und das zurecht: schliesslich nimmt der Druck auf allen Ebenen zu. Stichwort: Produktivitätssteigerung. Wenn das Intranet das nicht unterstützt bzw. sogar behindert, mag das in guten Zeiten noch als „Luxusproblem“ abgetan werden. Unter den aktuellen Umständen ist es aber nicht hinnehmbar.

Das Intranet Management gerät gleichzeitig aber auch von oben unter Druck, weil Budgets gekürzt und kurzfristig sichtbare Resultate gefordert werden.

Wenn diese Situation eintritt, ist es eigentlich schon zu spät. Jeder Intranet Verantwortliche sollte sich rechtzeitig über den Wertbeitrag seines Intranets für das Unternehmen Gedanken machen und Wege suchen, um diesen möglichst konkret aufzeigen zu können. Das gelingt vor allem über eine Nutzenquantifizierung von Intranet-Elementen, die die Mitarbeiter direkt in möglichst wichtigen Prozessen unterstützen.

Innovationen im Internet haben ja technologisch, konzeptionell und inhaltlich immer auf das Intranet ausgestrahlt. Entwicklungen im Internet sind aktuell natürlich Social Media mit all seinen Aspekten wie digitaler Identität, Kommunikation, Netzwerken, User Generated Content und andererseits auch neue Formen des Contents wie Video oder Podcasts. Inwieweit sehen Sie die Anforderungen an Intranet Manager diesen Wandel, den ja viele im Internet beobachten im Intranet nachzuziehen?

Das „Mainstream Web 2.0“ hat inzwischen in vielen Intranets Einzug gehalten. Blogs, Wikis und Videoinhalte gehören fast schon zum guten Ton. Erfolg und Akzeptanz dieser Ansätze stehen aber häufig auf einem anderen Blatt. Ich denke, das auch hier vielfach der Fehler begannen wird, dass die Technologie und nicht die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern die Treiber für derartige Entwicklungen sind. Für welches Bedürfnis braucht mein Unternehmen ein Wiki? Wozu eine Social Networking Plattform? Aus welchem Grund sollte ein Mitarbeiter seine eh schon brechend volle Taskliste mit dem regelmässigen Schreiben eines internen Blogs erweitern wollen?

Nur wenn man auf derartige Fragen gute Antworten findet, ist auch mit einer erfolgreichen Adaption der aus dem Internet bekannten Ansätze zu rechnen.

Sie sprechen in Ihrem Seminar von einem Intranet Lifecycle. Das klingt auch ein wenig nach Anfang und Ende. Oder meinen Sie eher ein endlos geflochtenes Band? Was hat es mit dem Intranet Lifecycle auf sich? Wo befindet sich das Gross der Intranets mittelgrosser bis sehr grosser wissensgetriebener Unternehmen im Jahr 2009 nach Ihrer Beobachtung? Gleich drei Fragen auf einmal…

Auch für Intranets gilt: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ein Ende gibt es definitiv nicht, der Lebenszyklus ist also eine ständige Fortsetzung. Es gibt aber zum Beispiel Relaunch-Projekte, die einen Anfang und ein Ende haben und die nach einer festen Vorgehensweise durchgeführt werden sollten. Und die aufgrund ihrer Regelmässigkeit ständige Innovation, Optimierung und Erhöhung des Wertbeitrages gewährleisten sollen. Letztlich setzt der Lifecycle die Intranet Strategie in überschaubare und mit zu vertretendem Risiko realisierbare Arbeitspakete um.

Die dritte Frage zielt eher nach dem Reifegrad den Intranets heute erreicht haben. Hier ist die Antwort nicht einfach. Aus meiner Sicht gibt es zwei Spannen, die in den letzten Jahren eher grösser geworden sind. Das ist zum einen die Spanne zwischen den guten und den schlechten Intranets. Es gibt heute viele gute Beispiele von Intranets, die den Durchschnitt klar hinter sich lassen und ihren jeweiligen Unternehmen so ein Stück Wettbewerbsvorteil bescheren. Gleichzeitig ist die Zahl der wirklich schlechten Intranets aber noch erschreckend hoch, gerade wenn man es an den vom Web-Umgang geprägten Erwartungen der Mitarbeiter misst.

Die andere Spanne ist die zwischen dem heute bereits realisierten Potential und der Vielzahl an noch unausgeschöpften Potentialen. Und diese Schere öffnet sich meiner Beobachtung nach immer weiter. Die herkömmlichen Konzeptions- und Entwicklungsansätze sind – ebenso wie die bisher üblichen Entscheidungsprozesse – einfach nicht in der Lage mit der erforderlich Geschwindigkeit – auch hier ist das Web der Treiber - mit zu halten.

Beim Seminarteil Suche und Informationsarchitektur greifen Sie ein heikles Thema auf. Wie oft hört man von Mitarbeitern, die nicht in der Intranet Abteilung tätig sind. „Unser Intranet!? … Da findet man eh nichts. Das nutze ich maximal für … und …“. Das ist ja quasi ein Todesurteil für die viele Arbeit und Mühe die im Intranet steckt. Wer hat denn das größere Suchproblem – kleine oder sehr große Intranets?

Ganz klar die grossen Intranets. Denn das Findeproblem im Intranet lässt sich – ganz im Gegensatz zum Web - nicht mit Technologie lösen. Das versprechen die Anbieter entsprechender Systeme zwar seit Jahrzehnten, in der Praxis ist aber das Gegenteil zu beobachten.

Um die Qualität der Suche und die Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu erhöhen, kommt es auf einen gut abgestimmten Mix einer Vielzahl an Massnahmen an. Das braucht Ressourcen. Und die werden nur in wenigen Unternehmen tatsächlich für die laufende Optimierung der Suche bereit gestellt. Dabei gibt es auch hier Beispiele die zeigen, dass sich dieser Aufwand lohnt. Und eine gute Suche ist ganz klar ein Stück Basisinfrastruktur ohne die ein Intranet über ein gewisses Mass an Nutzenpotential nicht hinaus kommt.

In einem grossen Unternehmen sollte es deshalb selbstverständlich sein, dass es eine für das Thema „Enterprise Search“ zuständige Abteilung gibt. Genauso, wie es bspw. eine für das Thema „Kommunikation“ oder „Personal“ zuständige Abteilung gibt.

Sicher werden Sie sagen beides. Aber ich frage trotzdem einmal: Welches der beiden ist heute zielführender und worauf sollte man ergo mehr Energie verwenden: eine gute Informationsarchitektur, mit tollen Menüs und überlegten Strukturen oder eine ordentliche Suchmaschine für das Intranet, die strukturiert Fundstellen ausspuckt?

Ich hätte tatsächlich „beides“ gesagt. Aber man kann das schon noch präzisieren: 60% des Aufwands sollte man in die Suche stecken und 40% in die Navigation und sonstige Elemente, die den Benutzer zum Content führen. Und da gibt es eine ganze Reihe, nicht nur die klassische Sitemap oder den A-Z Index. Ich denke hier insbesondere an dynamische Elemente, die den Benutzer kontext-abhängig seinem Ziel näher bringen. In den meisten Intranets führen bisher nur sehr wenige und eher unflexible Wege nach Rom. Unterschiedliche Benutzertypen bevorzugen jedoch unterschiedliche Zielführungen – die situativ ebenfalls verschieden sein können.

Als erste Massnahme würde ich aber eine Optimierung der Informationsarchitektur empfehlen. Hier sind meistens schneller und mit geringerem Aufwand Erfolge erzielbar als bei der Suche.

ECM WORLD Veranstaltungen in 2009

Hinter den Kulissen wird kräftig geplant und koordiniert, den es stehen einige Veranstaltungen an - den Start machen die Intranet SUMMIT in Deutschland (am 24./25.06.) sowie in der Schweiz (am 02./03.07). Hier suchen wir noch Fallbeispiele zu Wert-Strategien für Intranet-Projekte. Denn in der Krise stehen die Projekte immer wieder auf dem Prüfstand und das Intranet-Team muss dem Controlling zeigen können, warum sich gerade jetzt weitere Investitionen in das Intranet-Projekt rechnen. Lösungswege und -konzepte sind Gegenstand der jeweils zweitägigen Veranstaltung.

Nach der Sommerpause geht es dann mit Volldampf auf den Enterprise 2.0 SUMMIT zu. Nach dem “Enterprise 2.0 @ CeBIT” im letzten Jahr soll der diesjährige SUMMIT vom 06. bis zum 08.10. in Frankfurt noch internationaler bzw. europäischer werden. Dabei wollen wir die Veranstaltung als Branchentreff für die E2.0 Evangelisten, Experten und Interessierten in Europa etablieren. Hierzu haben wir uns eine Reihe von führenden Köpfen als Beiräte für die Veranstaltung geholt: Lee Bryant, Willms Buhse, Bertrand Dupperin, James Governor, Dion Hinchcliffe, Martin Koser, Mark Masterson, Joachim Niemeier, JP Rangaswami, Frank Schönefeld, Luis Suarez, David Terrar, Thomas Vander Wal und Simon Wardley. Ein erster Programmentwurf steht kurz vor der Veröffentlichung - im Community-Blog “Enterprise 2 OPEN” habe ich noch einige Fragen diskutiert. Da die Veranstaltung in Englisch stattfinden wird, werde ich auch hier ab sofort über die Veranstaltung nur noch in English berichten (da die Inhalte auch auf der Veranstaltungsseite eingebunden werden!).

Last but not least - wie man so schön im Englischen sagt, findet dann am 11. & 12. November noch der ECM SUMMIT statt, der das Jahr aus derm ECM-Perspektive abrunden soll. Thematisch haben wir uns hier entschlossen, dass Thema Dokumentenprozesse noch stärker zu integrieren und uns mit der bei Stefan Pfeiffer von IBM als “Schizophrenie”-Frage bezeichneten Überlappung von klassischer ECM-Effizienz- und Compliance-Bestreben mit dem Drang nach flexiblen Kollaborationsformen beschäftigen.

Über Vorschläge für die genannten Veranstaltungen freue ich mich immer sehr.